Die Gründungssage des Reiches

Vor langer Zeit als noch Barbaren in unseren Gefilden hausten trug sich etwas zu, das die Welt auf ewig verändern sollte.
Die Insel Iona wurde damals von einem kleinen unbedeutenden Barbarenstamm bewohnt, der mit der See im ewigen Kampf um die nächste Mahlzeit sein erbärmliches Dasein fristete.
Es war ein milder Abend am Tage des höchsten Sonnenstandes, da wurde die Sonne nicht vom westlichen Meer verschluckt.
Stattdessen verwandelte sie sich in eine Gestalt von Licht und Feuer.
Die Gestalt wandelte über die Fluten und als sie das Ufer von Iona erreichte, gewahrten die in Ehrfurcht erstarrten Barbaren einen Greis umhüllt von tosendem Inferno.
Doch nicht gebeugt vom Alter sondern in erhabener Würde betrat dies Wesen das Land, der lange weiße Bart und das silberne Haar wogend in den lodernden Flammen,
seine Augen brennend wie die Sonne, auf dass man dem Blick nicht standzuhalten vermochte.
Der Stammesälteste warf sich in den Staub vor der Gestalt und ihm folgend die restlichen Barbaren.
Da sagte der Lichtbringer zum Ältesten:
“Du tust Recht daran mir zu huldigen und dafür werde ich dich belohnen.”
Der Erleuchtete trat vor und berührte die Stirn des Barbaren, woraufhin dessen Augen anfingen zu brennen wie die ewige Flamme und seine Stimme sich verlor in einem Schrei flammender Pein.
Nach einiger Zeit lies die Lichtgestalt von dem Häuptling ab.
Als der Stammesälteste wieder zu Sinnen gekommen, wandte sich das allsehende Auge an ihn und sprach:
“Ich habe deine Seele gereinigt und dir die Gabe verliehen, denn du sollst sein meine Stimme auf Erden.
Ziehe aus und bringe mein Licht in diese finstere Welt.
Erbaue ein ewiges Reich in meinem Namen und verbreite den rechten Glauben.
Reinige die Ungläubigen mit meinem heiligen Feuer, so wie ich dich gereinigt habe, dass sie mir dienen mögen im Leben oder nach dem Tode.”
Der gekürte Messiah neigte das Haupt in Demut und erwiderte:
“Geheiligt sei dein Name Höchster aller Hohen. Weisester aller Weisen. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.”
Sodann erhob sich der erste Erzmagister und rief den anderen Stammesangehörigen zu:
“Frohlocket, denn der Herr ist gekommen uns zu erlösen von Leid und Pein.
Er hat mir offenbart den Weg in die Vollkommenheit, auf dass wir, das erwählte Volk, mögen herrschen über alle Lande hier und jenseits des Horizonts.”
Die Inkarnation der ewigen Flamme nickte zufrieden und nicht enden wollende Wogen von Jubel brachen aus unter den Wilden, bis diese anfingen vor Freude zu singen und zu tanzen und ein rauschendes Fest das kleine Dorf erfüllte.
Im Laufe des Festes nahm der Lichtbringer den Magister zur Seite und vermachte ihm die zehn Gebote an die sich jeder Rechtgläubige zu halten habe, um das Gedeihen des kommenden Reiches zu sichern:
1. Ich bin der Lichtbringer, dein Gott, der dich aus der Barbarei geführt hat in die Erleuchtung.
2. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir haben.
3. Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der Herr lässt den nicht ungestraft, der seinen Namen missbraucht.
4. Achte auf den Sonnentag: Halte ihn heilig, wie es dir der Herr, dein Gott, zur Pflicht gemacht. Sechs Tage darfst du schaffen und jede Arbeit tun.
Der siebte Tag ist ein Ruhetag, dem Herrn, deinem Gott, geweiht. An ihm darfst du keine Arbeit tun:
du, dein Sohn und deine Tochter, dein Sklave und deine Sklavin, dein Vieh und der Fremde, der in deinen Stadtbereichen Wohnrecht hat.
Denk daran: Als du in Hunger und Barbarei dein Leben gefristet hast, hat dich der Herr, dein Gott, mit starker Hand und erhobenem Arm dort herausgeführt.
Darum hat es dir der Herr, dein Gott, zur Pflicht gemacht den Sonnentag zu ehren.
5. Ehre deinen Vater und deine Mutter, damit du lange lebst in dem Reich, das der Herr, dein Gott, dir gibt.
6. Du sollst nicht morden.
7. Du sollst nicht die heilige Ehe brechen.
8. Du sollst nicht stehlen.
9. Du sollst nicht falsch gegen deinen Nächsten aussagen.
10. Du sollst nicht nach dem Haus deines Nächsten verlangen. Du sollst nicht nach der Frau deines Nächsten verlangen, nach seinem Sklaven oder seiner Sklavin,
seinem Rind oder seinem Esel oder nach irgendwas, das deinem Nächsten gehört.

Als die Dorfbewohner müde vom Feiern und die Trommeln begannen zu verstummen erhob sich der Erleuchtete und sprach zu seinem Messias:
“Mein Werk hier ist getan. Ich habe dir gegeben meinen Willen,
dass du ihn sähen mögest und pflegen die Keime bis zu dem Tage an dem sich mein Reich erstreckt über alle Lande unter dem Himmel und jeder Mensch in Ehrfurcht sich vor mir verneigt,
dann werde ich wiederkehren und die gesamte Welt befreien von ihrem Leid.”
Daraufhin wandte sich der Lichtbringer ab und schritt über den Varensund gen Osten und in dem Moment als das letzte Licht der flammenden Gestalt in der Ferne verschwandt begann der folgende Tag zu dämmern.

Die Gründungssage des Reiches

Flusslande Alex_M